Göttinger Wochenzeitung
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GENOSSENSCHAFTLICH ORGANISIERTE
ZEITUNG FÜR GÖTTINGEN
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Das Projekt

»Nur zu genießen mit vielen Genossen« - Ein Nachruf auf die Göttinger Wochenzeitung

Mit diesem Motto ist die im November 2004 gegründete Verlagsgenossenschaft Göttinger Wochenzeitung angetreten, um in Göttingen die Medienlandschaft um eine unabhängige, journalistisch ambitionierte Zeitung zu erweitern.

Nun geht der Genossenschaft bereits in der Startphase die finanzielle Puste aus. Da liegt es nahe, einmal die gesteckten Ziele mit den erreichten zu vergleichen.

Das fängt mit den »vielen Genossen« und »Genossinnen« an: Das Ziel war es, zum Start 500 Genossenschaftsanteile zusammen zu haben. Der Businessplan sah vor, in den ersten Monaten nach dem Start monatlich 10 neue Genossenschaftsanteile zu bekommen. Die Genossenschaft hat zum heutigen Zeitpunkt 324 Mitglieder, die insgesamt 586 Anteile gezeichnet haben. Hier wurde offensichtlich das angepeilte Ziel erreicht. Auch wenn nun diejenigen leider Recht bekommen haben, die da sagten: »500 Anteile reichen niemals, Ihr braucht mindestens das Doppelte...«

Bei den verkauften Auflagen lag die Zeitung - bedingt auch durch saisonale Schwankungen wie Ferien und WM - in den meisten Wochen unter der Zielmarke. Das ist (natürlich) auch einer der Gründe, warum die Genossenschaft in akuter Geldnot ist. Tatsache ist aber auch, dass die Entfernung zum Ziel nicht unüberwindbar groß ist. Um die Verkaufsauflage zu steigern, sind Marketingaktivitäten notwendig. Um diese zu entwickeln und umzusetzen, bräuchte die Genossenschaft mehr Zeit – und mehr Geld. Aber auf die vielen Menschen, die die Zeitung Woche für Woche kaufen und lesen, können wir durchaus auch stolz sein. Bei immerhin 3.000 bis 4.000 LeserInnen pro Woche bedanken wir uns an dieser Stelle.

Die Erlöse der Genossenschaft sollten zu einem großen Teil aus den Anzeigen finanziert werden. Von dem im Jahresdurchschnitt eingeplanten Monatsumsatz waren wir leider gerade in den ersten Monaten weit entfernt. Diese finanziellen Einbußen schleppen wir seither mit uns, auch wenn wir uns den gesetzten Zielen im April und Mai deutlich angenähert haben. Das konnten die Leserinnen und Leser, die bereits beim Start »dabei« waren, durchaus feststellen. Die Zahlen zeigen, dass wir unter dem Ziel liegen – dass das Ziel aber nicht in unerreichbarer Ferne liegt. Auch hier befindet sich die Genossenschaft auf dem richtigen Weg. Was fehlt, ist mehr Zeit und ein entsprechendes finanzielles Polster, um dieses Geschäft noch weiter zu entwickeln. Aber auch hier gilt: Auf das Erreichte können wir durchaus stolz sein. Es haben sich spannende Partnerschaften entwickelt, ohne dass diese die Unabhängigkeit der Göttinger Wochenzeitung gefährden.

Eines der Hauptziele der Wochenzeitung wurde im Businessplan mit ›Die Marktlücke‹ überschrieben: »Was in Göttingen eindeutig fehlt, ist eine professionell gestaltete Zeitung, die eine hintergründige und kritische Berichterstattung über lokale Themen mit einem ›linken‹ bis ›linksliberalen‹ Meinungsprofil verbindet und dabei die Unterhaltungsbedürfnisse der Leserinnen nicht aus den Augen verliert.«

Auch hier stellt sich die Frage: Was haben wir erreicht? Wenn man die Reaktionen von Leserinnen und Lesern, von Vereinen und Institutionen, von den politischen Parteien und auch von den Journalistinnen und Journalisten in der Stadt messen kann, dann hat die Göttinger Wochenzeitung durchaus Erfolg. Für die meisten gehört die Wochenzeitung schon jetzt als feste Medieninstitution ins Stadtbild und ist aus der lokalen Berichterstattung nicht mehr wegzudenken, insbesondere für diejenigen Themen und Gruppen, denen bislang kein medialer Raum gewidmet wurde.

Und was bleibt? Vielleicht geschieht noch das erhoffte Wunder. Wenn nicht: Es wird lange dauern, bis sich wieder Menschen finden, die eine Alternative schaffen wollen. Die Hoffnung bleibt, dass unser Einsatz zumindest dazu geführt hat, ein wenig Bewegung in die etablierte Presselandschaft gebracht zu haben. Die geknüpften Netzwerke werden hoffentlich weiter bestehen und sich auch in Zukunft an einer basisorientierten, gelebten Demokratie in unserer Stadt beteiligen. Und wer weiß, manchmal kommen Wunder ganz schnell.

Der Vorstand der Verlagsgenossenschaft ›Göttinger Wochenzeitung‹:
Hendrik Abel, Sybille Haupt, Sandra Kotlenga, Jens Wortmann
Der Aufsichtsrat: Sebastian Schulten, Christian Barsch, Heike Nückel

 

 

Was ist aus dem Projekt Göttinger Wochenzeitung geworden?

Am Freitag, 3. Februar, ging die Göttinger Wochenzeitung mit ihrer ersten
Ausgabe an den Start. Damit endete eine einjährige Vorbereitung auf das
Erscheinen, nachdem im November 2004 die Verlagsgenossenschaft Göttinger
Wochenzeitung eG gegründet worden ist. Die Göttinger Wochenzeitung ist
bundesweit die erste genossenschaftlich organisierte Lokalzeitung.
Ziel der Genossenschaftsmitglieder ist die Herausgabe einer unabhängigen
Wochenzeitung, die die Medienlandschaft in Göttingen erweitert. Trotz
einer Vielzahl von Printmedien wie Anzeigenblätter, Veranstaltungsmagazine
und Zeitschriften für bestimmte Empfängergruppen gibt es bisher nur eine
lokale Tageszeitung in Göttingen. Mit der neuen Publikation soll das
Format einer Wochenzeitung den Zeitungsmarkt in Göttingen breiter
auffächern.

Seit der Gründung mit 50 Mitgliedern ist die Genossenschaft inzwischen auf
über 300 Mitglieder gewachsen, die mit ihren Einlagen für das Startkapital
und für eine lokale breite Verankerung des Zeitungsprojektes sorgen.
Die Göttinger Wochenzeitung hat einen Umfang von 32 Seiten, sie wird über
den Pressegrosso sowie im Abonnement vertrieben und hat einen
Verkaufspreis von 2,20 EUR.


Warum Göttingen eine weitere Zeitung braucht

Medienvielfalt und die Möglichkeit unter verschiedenen Informationsquellen auswählen zu können, sind wesentliche Voraussetzungen für jegliche Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in demokratisch organisierten Gesellschaften. Leider sucht man eine solche Vielfalt an publizierten Meinungen in Göttingen vergebens. Insbesondere der Zeitungsmarkt wird maßgeblich von einer einzigen Lokalzeitung, dem Göttinger Tageblatt, bestimmt.

 
Das Projekt Göttinger Wochenzeitung

Mit der Göttinger Wochenzeitung wollen wir in Form und Inhalt eine ernst zu nehmende Alternative auf dem Göttinger Zeitungsmarkt etablieren. Dieses Zeitungsprojekt soll abseits der Hektik tagesaktueller Berichterstattung das Spektrum der publizierten Themen und Meinungen in Göttingen wesentlich erweitern. Insbesondere Themen zur nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung und sozialen Gerechtigkeit werden in der Göttinger Wochenzeitung größere Aufmerksamkeit erfahren als in anderen Zeitungen. Wir möchten darüber hinaus verstärkt Beteiligte und Betroffene sowie Leserinnen und Leser zu Wort kommen lassen. Die unabhängige und professionelle Berichterstattung soll unterstützt werden durch eine übersichtliche und unkonventionelle Gestaltung, die den Spaß am Lesen nicht zu kurz kommen lässt.
 


 
Die Info-Broschüre mit unserer Kurzvorstellung und einem Aufnahmeantrag für die Genossenschaft steht auch zum Herunterladen bereit:


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